Zukunft der
Teltower
Realschule ungewiss (24.10.2004)
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Einzügige 7. Klassenstufe ist im Schulgesetz nicht vorgesehen
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Bildungsministerium hat die Zeit verschlafen
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Lehrer für die Zukunft verunsichert
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Breiter Konsens in der Kommune zum Erhalt der Schule
- SPD und CDU geben Realschulen auf
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Letztes Mittel unbefristeter Schülerstreik ohne Wirkung
- Feigheit des Bildungsministeriums ließ bis zur letzten Minute für
Teltower Schule hoffen
- Neue Regierung krempelt Schulsystem komplett um
Alle
Teltower sind sich wohl darüber einig, dass die Schullandschaft in
der Stadt mit drei Grundschulen, einer Gesamtschule, einer Realschule
und
einem Gymnasium optimal ist, auch wenn es schon in den vergangenen
Jahren
speziell in den drei Grundschulen einige Durststrecken wegen der
geburtenschwachen
Jahrgänge zu überwinden gab. Hier setzt sich derzeit ein
kontinuierlicher
Aufwärtstrend fort, insbesondere auch durch das
Integrationsangebot
in der Grundschule II (hier wurden
zu Schulbeginn im August ca. 100 Erstklässler aufgenommen !)
Umso
bitterer ist es, dass nun der geburtenschwächste Jahrgang für
die Bewerbungen an den weiterführenden Schulen aufgerufen war.
Alle Schulen standen ab 18. März 2004 (Bewerbungsschluss)
vor der bangen Frage, deren Lösung unsere Landesregierung durch
Aussitzen
des Problems bis heute nicht ansatzweise in Angriff genommen hatte: Melden
sich genügend Schüler, um zwei 7. Klassen eröffnen zu
können
? Und so kam es, wie schon lange vor
allem
von den betroffenen Lehrkräften befürchtet, dass, wie auch in
vielen anderen Kommunen des Landes, das Minimum von 40 Schülern in
unserer Real- (27 Schüler) und Gesamtschule (30 Schüler)
nicht
erfüllt wurde. Obwohl die Gymnasien auch gewisse Einbrüche
hinnehmen
mussten, ist deren Existenz aber nicht in Frage gestellt. Besonders
problematisch
ist aber, dass dieser Trend die folgenden zwei Jahre noch anhalten
wird.
Sollten
dann drei Jahre lang keine 7. Klassen eingerichtet werden, ist die
Existenz
der Schulen praktisch beendet. Die damit in Zusammenhang stehenden
existenziellen Fragen für die heranwachsenden Schüler, den
Lehrkörper und die Bausubstanz der in der Region sehr gut
angenommenen Schulform
liegen
auf der Hand.
Die
Konferenz der Schulräte entschied nun am 30.03.2004: Die
Teltower Gesamtschule wird wegen ihrer Integrationsaufgabe für
behinderte
Kinder als alternatives Angebot in der Region Bestand haben,
die
Realschule Teltow als einzige in der Region dagegen
soll
im kommenden Schuljahr keine 7. Klasse führen.
Dabei wurde durch den Schulrat eingeräumt, dass die künftige
Schließung dieser Schule wegen der rapide zunehmenden
Schülerzahlen
in den Grundschulen ab 2007 wieder zum Problem werden wird. Nach
dieser Entscheidung ist die Unruhe bei den Lehrern der Realschule
verständlicherweise
sehr groß - vier Lehrer müssten entlassen werden ! Das
Unverständnis ist umso
größer,
da es die Landesregierung wegen Unfähigkeit des
Bildungsministeriums
in der vergangenen Legislaturperiode nicht geschafft hat, trotz der
bekannten
Fakten rechtzeitig tätig zu werden. Zumindest müsste die
Einzügigkeit
per Gesetzesänderung interimsweise möglich werden !
Und
anstatt zu retten, was zu retten ist, argumentierte Bildungsminister
und
exPfarrer Reiche am 31.03.2004 im Landtag damit, dass man bei
Einzügigkeit
keine Mindeststandards absichern könne (MAZ v. 01.04.2004). Obwohl
er Fehler in der Vergangenheit einräumte, wurde wie üblich
der
Schwarze Peter dem Koalitionspartner CDU zugespielt. Dieser entgegnete
jedoch damals, dass man sich auf Seiten der CDU dem Ersetzen und/oder
Plattmachen
von Realschulen widersetzen werde. Das ganze Gerede auf dieser Ebene
war
indes, wie sich jetzt zeigt, ziemlich lächerlich und traurig
zugleich und stand in
krassem
Gegensatz zur Realität, denn die Koalitionspartner hatten sich
schon im Vorfeld darauf verständigt, den Streit innerhalb der
Regierung
auszusitzen und das Thema auf die Zeit nach der Landtagswahl zu
verschieben
?! Das war eine klare
Verhöhnung
der nachwachsenden Schülergeneration und der um ihre Existenz
bedrohten
Lehrer durch unsere Landesregierung, die nicht unwidersprochen
hingenommen
werden durfte ! Denn dann ist das Aus für bis zu 200
Schulen
abzusehen.
Unsere
auf der Abschussliste stehende Realschule in Teltow hat ein hohes
Lernniveau,
das auch von Berliner Kindern gern angenommen wird. In Zukunft
müssten die Realschüler nach Berlin ausweichen, was nun auch durch das
Bildungsministerium postuliert wird (s.
weiter unten). Informationen
zu dieser Schule können Sie unter
<www.realschule-teltow.de>
einholen.
In zahlreichen Leserbriefen setzten sich Eltern- und
Schülervertreter
wiederholt für den Erhalt der Schule ein (z.B. MAZ vom 02.04.2004).
Auch in der Teltower Lokalpolitik bestand darin Konsens, sich für den Erhalt der Realschule einzusetzen. Die B.I.T. unterstützte deshalb nachhaltig die Forderung u.a. von der PDS und FDP vom 05.04.2004, abweichend vom Schulgesetz auch mit nur einer 7. Klasse die Bildung eines Jahrgangs an den Schulen zuzulassen. Aus diesem Grunde hatten die Abgeordneten auf der 6. SVV am 07.04.2004 einstimmig eine Willensbekundung verabschiedet, in der das Bildungsministerium aufgefordert wurde, eine Ausnahmegenehmigung für die Einrichtung einer 7. Klassenstufe an der Realschule Teltow zu erteilen (DS 80/2004). Es ist nämlich abzusehen, dass das Problem maximal zwei bis drei Jahre anhalten wird, aber in den Folgejahren die Kapazitäten kaum ausreichen werden. Eine solche Ausnahmeregelung ist lt. Maßgabe des Ministeriums sogar möglich, wenn die "Jahrgangsbreite nur vorübergehend klein ist", was ja zumindest für Teltow zutrifft (MAZ vom 03.06.2004). Die B.I.T.-Fraktion machte deutlich, dass durch das Verhalten des Bildungsministeriums das Wahlverhalten der Eltern einfach ignoriert wird. Die Befürchtung von FDP, PDS und B.I.T., dass die Realschule damit systematisch ins Aus manövriert wird, liegt auf der Hand (MAZ vom 10.04.2004).
Eine Beratung zu diesem Thema führten auch die drei Bürgermeister der Region am 05.04.2004 durch. Gemeinsam mit dem Leiter des Schulverwaltungsamtes wurden denkbare Ausgleichsvarianten erörtert. Eine weitere Krisensitzung unter Einbeziehung des Bildungsministeriums und des Kreisschulamtes am 07.04.2004 führte allerdings nur zu dem (faulen) Kompromiss als "kleinstem gemeinsamen Nenner" (MAZ vom 08.04.2004/10.04.2004), an der Teltower Realschule im Herbst 2004 und eventuell auch im Herbst 2005 keine 7. Klasse einzurichten, ohne jedoch den Standort generell in Frage zu stellen.Im
Ergebnis dieses Schmierentheaters konnte man als hilfloser und
ohnmächtiger Bürger für die kommende Landtagswahl nur
dafür plädieren, diese unfähigen Politiker nicht durch
eine Wiederwahl noch zu belohnen !!! Aber der Wähler entschied anders !
Und nun hat wieder die große Koalition das Sagen - was soll man
erwarten ? Die
schon zitierte Expertenkommission plädiert nun für die Abschaffung des
dreigliedrigen Schulsystems (MAZ vom 02.10.2004), und im Ergebnis der
Koalitionsverhandlungen soll es nun in Brandenburg ein neues
Schulsystem geben, das die Real- und Gesamtschulen zu einer sogenannten
"Oberschule" zusammenfasst (MAZ vom 05.10.2004). Dort kann der Real-
oder Haupschulabschluss erreicht werden, während als weiterführende
Schule nur noch das Gymnasium mit 12jährigem Abitur erhalten bleibt. Nun beginnt die Zitterpartie für die Lehrerschaft an den Real- und Gesamtschulen aufs Neue !!
Im Landkreis PM wird die weitere Planung erst einmal auf Eis gelegt, um die Landesplanung abzuwarten. Wie es in der Teltower Region weitergeht, soll in bereits vereinbarten Gesprächen der Bürgermeister mit Vertretern der Schulämter und des Ministeriums nach Vorliegen des neuen Schulgesetzes beraten werden (MAZ vom 23.10.2004).