Mittelzentrum mit unterschiedlichen
Ansichten über Gemeinsamkeiten ? (24.06.2005)
-
Birthler gegen Mittelzentrum
- Geteilte Meinungen zur Fusion
- Wie soll es in der Region weitergehen ?
-
Unterschiede im DV-System behindern
-
Berufs-Feuerwehr immer wieder auf dem
Prüfstand
-
Finanzierung und Sanierung des Schwimmbades
Kleinmachnow
- Neue Perspektiven durch neue
Förderpolitik ?
- Steueroase nur in Teltow ? - Beispiel
Ludwigsfelde schreckt ab !
Am
12.02.2004 kündigten die Bürgermeister von Teltow,
Kleinmachnow
und Stahnsdorf an, erneut bei den zuständigen Gremien vor allem
wegen
des finanziellen Hintergrundes den Antrag zu stellen, dass das
kommunale
Trio mit seinen rund 50.000 Einwohnern (Stand
Teltow am 31.12.2004 = 19.287
Einwohner) als Mittelzentrum eingestuft
wird.
In Teilbereichen wird die Zusammenarbeit schon länger, allerdings
mehr schlecht als recht (siehe weiter unten), praktiziert
(z.B. bei der Schul- und Verkehrsentwicklungsplanung sowie im
Brandschutz).
Gemeinsamer Ausbau und Erhalt vorhandener Ausstattungen eines
Mittelzentrums,
wie z.B. das Kleinmachnower Schwimmbad, wären durch finanzielle
Besserstellung
eher möglich. Einen entsprechenden Unterstützungsantrag, den
Ballungsraum Kleinmachnow-Teltow-Stahnsdorf aus landesplanerischer
Sicht
als Mittelzentrum einzustufen (MAZ vom 24.4.2004), brachte die FDP in
der
Kreistags-Sitzung
vom 22.04.2004 ein. Wenngleich ein gemeinsam vorbereiteter
Vorstoß
aller Kreistags-Fraktionen dem Anliegen sicher noch mehr Nachdruck
verliehen
hätte,
befürwortete
der Kreistag schließlich den Antrag.
Bereits
am 07.04.2004 hatten die Bürgermeister die entsprechenden
Anträge
an das Raumordnungs- und Innenministerium auf den Weg gebracht. Während
der Teltower Bürgermeister Schmidt sehr optimistisch war, machte
die
Referatsleiterin bei der Gemeinsamen Landesplanungsabteilung
Berlin-Brandenburg
(GL) den drei Bürgermeistern keine großen Hoffnungen auf
Erfolg.
In
diesem Falle plädierte der Stahnsdorfer Bürgermeister Enser
(CDU)
empört für eine baldige Fusion der drei Orte in absehbarer
Zeit
(MAZ vom 08.04.2004/10.04.2004), wobei natürlich auch die
jeweiligen
Einwohner und Gemeindevertreter ein gehöriges Wörtchen
mitzureden
hätten. Mit
Enser forderte auch die
B.I.T.
"endlich ein klares Signal aus den beteiligten Ministerien, wie es in
der
Teltower Region grundsätzlich weitergehen soll". Während
sich die Kleinmachnower
"Grünen" ursprünglich gegen ein Mittelzentrum aussprachen (MAZ vom 8.4.2004 -
Teltower Stadtblatt 06/2004, S. 24),
um die zunehmende Verstädterung der reinen Wohnorte Kleinmachnow
und Stahnsdorf zu verhindern, plädierte die B.I.T. dafür,
behutsam zu
prüfen, ob die Region überhaupt in
der
Lage ist, die Bedingungen für ein Mittelzentrum nach
raumordnerischen Gesichtspunkten zu erfüllen. Das
Streben der Bürgermeister war
offenkundig nur von den zu erwartenden zusätzlichen Mitteln
diktiert; die inhaltliche Bedeutung eines Mittelzentrums, wie es
im Landesentwicklungsplan
(LEP) definiert
ist, spielte dabei wohl nur eine untergeordnete Rolle.
In Kleinmachnow zum Beispiel hat das ganze noch
einen pikanten existentiellen Hintergrund, denn durch die angestrebte
Ansiedlung
des Hornbach-Großmarktes, der lt. LEP in der Gemeinde nicht
zulässig
ist, soll Geld in die Gemeindekasse kommen, um den
großzügigen
Rathaus-Neubau für 9,5 Mio € zu refinanzieren. Problemlos
wäre das
Ansinnen aber nur in einem Mittelzentrum lösbar. Die
Gemeindevertreter
jedoch sind hierüber sehr zerstritten, obwohl sich
schließlich eine
Mehrheit für die Beantragung einer "Zielabweichung" bei der GL mit
den
Stimmen der Grünen fand (MAZ vom
18.12.2004). Etliche Träger öffentlicher Belange,
insbesondere in Berlin, haben allerdings ihren Widerstand gegen den Bau
bekundet.
Birthler gegen
Mittelzentrum, aber deshalb gleich Fusion zu TeltowStahnsdorfKleinmachNow
?
Die
Landesbehörden hüllten sich lange in
Schweigen, bis Raumordnungsminister Birthler in einem Brief vom
5.5.2004 die Bildung eines Mittelzentrums zum gegenwärtigen
Zeitpunkt ablehnte, da es frühestens im Jahre 2005 "zur
Überprüfung und Fortschreibung der bisherigen Festlegungen
und Vorgaben zur zentral-örtlichen Gliederung insgesamt kommen
werde", da der LEP
von 1995 (!!) erst dann
generell
überarbeitet werden soll (siehe weiter
unten). Diesen
Standpunkt bekräftigte der Minister auf einer
Wahlkampfveranstaltung in
Stahnsdorf erneut am 18.08.2004.
Innenminister
Schönbohm (CDU) schürte dagegen gewisse Hoffnung auf die Zeit
nach
der Wahl, indem er für das Mittelzentrum
plädierte. Also
auch hier wurde das Problem ähnlich der Schulpolitik ohne ein
Gesprächsangebot bis nach der Landtagswahl
2004 ausgesessen !
Eine
schnelle Fusion, wie
sie Enser anlässlich der Vorstellung der Broschüre des
Stadtblatt-Verlages "Wirtschaft in Wort und Bild - Teltow,
Kleinmachnow, Stahnsdorf" am 30.09.2004 forderte, ist ohne die
Einbeziehung der Bevölkerung
jedoch auch illusorisch, zumal sich gewisser Widerstand,
speziell in Kleinmachnow, regt. Auch
SPD-Landtagskandidat Klocksin (SPD) aus Kleinmachnow plädierte
für eine behutsame
Behandlung des Themas "Mittelzentrum". Klare
Aussagen zu diesem Thema blieben die Spitzenkandidaten zur Landtagswahl
dem Wähler leider auch auf der groß herausgestellten
Veranstaltung am
31.08.2004 schuldig (MAZ vom
02.09.2004).
In einem Artikel im Teltower
Stadtblatt Heft 08/2004 setzte sich die B.I.T. sachlich mit
"Pro"- und "Kontra"-Argumenten für oder gegen
ein Mittelzentrum in
unserer Region öffentlich auseinander !
Geteilte
Meinungen zur Fusion
Nach der
Landtagswahl und der entsprechenden Koalitionsvereinbarung
zwischen SPD und CDU setzte sich bei den führenden
Kommunalpolitikern offensichtlich die Ansicht durch, dass die Bildung
eines
Mittelzentrums "Teltow/Kleinmachnow/Stahnsdorf" - insbesondere auch
durch den Anspruch einer
überörtlichen Funktionswahrnehmung - wohl in Frage zu stellen
ist
(Teltows Bürgermeister auf der SVV am 13.10.2004). Schmidt (SPD) und sein Stahnsdorfer Amtskollege Enser
(CDU) waren sich deshalb zunächst
einig, dass die
Bestrebungen der drei Gemeinden zur nächsten Kommunalwahl 2008 nun auf eine
Fusion ausgerichtet werden sollten.
Voraussetzung
dafür seien natürlich die entsprechenden Beschlüsse der
Ortsparlamente,
durch die die Bereitschaft zu einer Fusion zunächst bekundet
werden
müsste (MAZ, PNN vom
15.10.2004).
Auf der KAT-Sitzung am 20.10.2004 wurde die Diskussion hierzu
öffentlich anlässlich des zu besprechenden (veralteten ?)
Regio-Konzeptes vom März 2001 begonnen. Zentraler Konfliktpunkt
blieb
dabei die Kernfrage: Inwieweit sind lokale Egoismen
überwindbar ?
So konnte sich der Kleinmachnower Bürgermeister Blasig (SPD) z.B.
zunächst nicht für eine komplette Fusion erwärmen, er
plädierte
stattdessen
für eine Fusion in Abschnitten, hoffte weiter auf die verordnete
Bildung
eines Mittelzentrums bzw. hielt sogar eine Kreisfreiheit für
denkbar. Insgesamt sind die Meinungen zum Thema
sehr geteilt. Mit unserem Kreistags-Abgeordneten
Franke,
der ebenfalls vor unüberlegten Schnellschüssen warnte,
plädieren wir als B.I.T.
vor allem dafür, dass das Fusionsziel nicht nur vordergründig
dem Erhalten größerer
Geldzuweisungen dient, sondern eine Fusion für den Bürger
auch erlebbar
sein muss. Unabdingbar ist für die
B.I.T. auch eine notwendige Volksbefragung, die u.a. auch
durch Tauscher (CDU Kleinmachnow) artikuliert wurde.
Insgesamt wurde im Rahmen dieser KAT-Diskussion deutlich, dass für
eine
Fusion zu dieser Zeit keine klaren Mehrheiten gesehen wurden, vielmehr
sollten in einem ersten Schritt hierzu endlich das Regio-Konzept
präzisiert sowie Schwerpunkte in der
Zusammenarbeit definiert und vor allem umgesetzt werden (MAZ vom
22.10.2004). Es
meldeten sich auch kritische Bürger, die z.B. nur einen
einseitigen Vorteil für
Stahnsdorf, nicht aber für die Gemeinden Teltow und Kleinmachnow
sehen,
zu Wort (MAZ-Leserbrief vom 06.11.2004).
Wie soll es
in der Region weitergehen ?
Um der Frage: "Warum kommen Teltow, Kleinmachnow und
Stahnsdorf mit ihrer Zusammenarbeit nicht so richtig voran ?"
auf den Grund zu gehen, hatte sich die KAT zu ihrer Zusammenkunft am
19.01.2005 eine Fachfrau vom Deutschen Institut für Urbanistik
Berlin
eingeladen, um sich anhand eines Forschungsprojektes zeigen zu lassen,
wie in anderen Regionen Deutschlands Zusammenarbeit aussieht bzw.
aussehen könnte und welche Probleme dabei auftreten (PNN vom
21.01.2005/MAZ vom 22.01.2005). An Hand dreier Beispiele, die mit der
Teltower Region aber nicht unmittelbar vergleichbar sind, wurde
erläutert, dass die Ursachen für eine
Zusammenarbeit
in der Regel auf knappen Kassen, zu geringer eigener Kapazität
oder dem
Wunsch für einen gemeinsamen Nenner bei bestimmten Aufgaben
basieren.
Als größte
Hemmschwellen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit wurden
vor allem lokale Egoismen, partei-politisch
unterschiedliche Rahmenbedingungen und die "fehlende Wellenlänge"
der Akteure
diagnostiziert. Die in unserer Region bisher immer zitierten
Gemeinsamkeiten Brandschutz und Schulentwicklungsplanung sind nicht
gerade Themen, die man den Menschen in der Region als große
Erfolge
vermitteln kann - jedoch die Akzeptanz
einer Kooperation oder gar Fusion durch die
Bürger ist eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen
eines solchen Vorhabens. Den Beginn einer fruchtbaren Zusammenarbeit
erreicht man vor allem durch einfache, aber für die Bürger
wirkungsvolle "Leuchtturmprojekte",
die alle Beteiligten motivieren. Ein solches Vorhaben könnte z.B.
-
wenn auch mit erheblichem finanziellen Aufwand - die gemeinsame
Sanierung des von allen Menschen der Region
genutzten Schwimmbades in Kleinmachnow
werden. Bisher scheiterte das ganze an den bekannten Problemen lokaler
Egoismus und Unklarheit über den Vorteils-Nachteils-Ausgleich. Auch eine regelmäßige
Erfolgskontrolle ist unabdingbar. Und
obwohl es schon lange ein Regiokonzept mit 14 konkreten
Startmaßnahmen
gibt, die sicher dringend den aktuellen Gegebenheiten angepasst werden
müssten, gab es z.B. nie Fortschritte bei der Erarbeitung
grundlegender
Projekte wie gemeinsame Flächennutzungspläne oder
dem sensiblem Thema Verkehrskonzepte. Zu
aktuellen Leuchttürmen könnten auch die Themen Regio-Bus oder
gemeinsamer Planungsverband werden.
Im Ergebnis des KAT-Treffens gelobten die Akteure umgehend Besserung -
und auf
der Zusammenkunft am 09.03.2005 sollte in einem ersten Schritt
das Startmaßnahmepaket bzw. das Regiokonzept bezüglich
seiner
Aktualität auf den Prüfstand gestellt werden
!
Unterschiede
im DV-System behindern gemeinsame
Verwaltungsmodernisierung
der Nachbargemeinden
Im
Hinblick auf eine spätere Fusion (oder ein wie auch immer
geartetes gemeinsames Zentrum) ist es
elementar wichtig, dass
auch die
verwaltungstechnische
Basis der drei Gemeinden auf ein gemeinsames Niveau gebracht wird.
Die
auf Betreiben der B.I.T. im Jahre 1999 (Beschluss 03/14/1999)
angeschobene,
dringend notwendige Evaluierung der rechentechnischen Ausstattung der
Teltower
Stadtverwaltung trug bereits gewisse Früchte bezüglich einer
Modernisierung
der Inhalte und der Technik. Ein
mehrstufiges
DV-Ausbauprogramm konnte auf den Weg
gebracht
und bereits auch in Teilen realisiert werden. (Zum Stand einer
bürgernahen
modernen Verwaltung stellte die B.I.T. eine entsprechende Anfrage in
der 7. SVV-Sitzung am 12.05.2004 - DS
85/2004.)
Ohne jedoch Stahnsdorf in
die Verhandlungen mit einzubeziehen und quasi an den Parlamenten vorbei
- auf Grund der
Mehrheitsverhältnisse
und gegen die Stimmen der B.I.T. nachträglich
per Beschluss
04/56/2003
sanktioniert - schlossen Teltow und
Kleinmachnow
bereits im Oktober 2003, also noch in
der vergangenen Legislaturperiode, eine
öffentlich-rechtliche "Vereinbarung zur interkommunalen
Zusammenarbeit
bei der Informationstechnik und -übertragung" ab (= Zusammenarbeit im Range einer
Arbeitsgemeinschaft). Dieser Schnellschuss führte dazu, dass sich
Teltow wider besseres
Wissen zunächst dem durch Kleinmachnow favorisierten DV-System
anschließen wollte, obwohl
Teltow zuvor auch mit dem durch Stahnsdorf favorisierten System
liebäugelte. Es fragt sich, wer versuchte hier wen über den
Tisch zu
ziehen ?
In
Stahnsdorf war man jedenfalls nicht bereit, ein "altes"
System
einzuführen
sondern
setzte auf die "innovative" Lösung. Deshalb gab es am 10. Dezember
2003 auch keine gemeinsame Zusammenkunft zwischen den Gemeinden mehr,
um
noch einen Konsens zu finden - ein schwerer
Schlag gegen die regionale Zusammenarbeit,
der in krassem Gegensatz zu den späteren Beteuerungen der
Bürgermeister zur Schaffung eines Mittelzentrums oder einer
Ortsfusion
stand ! Schließlich
wurde
am
09.03.2004 die Vereinbarung zur Kooperation zwischen
Stahnsdorf
und der Deutschen Telekom als Lieferant des "eGovernment"-Systems
vorgestellt.
Stahnsdorf
verstand sich dabei als auch vom Kreis unterstützte Pilot-Kommune
und lud nochmals die anderen Gemeinden ein, sich
anzuschließen.
Aber mit
Teltow wurden bisher nur lockere Gespräche geführt. Technisch
gesehen sollte die Schaffung
gemeinsamer Schnittstellen für unterschiedliche Systeme kein
Problem sein, aber Kosten würde eine Anpassung immer verursachen.
Durch die Anfrage der B.I.T. zur 7. SVV am 12.05.2004 (DS
84/2004) informierte der
Teltower Bürgermeister die 8. SVV am 14.06.2004 schließlich
darüber,
dass der gemeinsame Betrieb eines e-Governmemt-Systems mit Kleinmachnow
wegen zu hoher Kosten nun nicht zustande kommen werde und die
Gespräche
mit Stahnsdorf intensiver geführt würden. Die
B.I.T. war auch aus finanziellen Gründen der Meinung, dass
ernsthaft
und zügig mit Stahnsdorf zu verhandeln sei und vor allem das
Parlament, deren
Ausschüsse sowie die Kommunale Arbeitsgemeinschaft "Der Teltow"
(KAT) mit einzubeziehen wären, denn schließlich geht es
um die künftige gemeinsame Verwaltungsstruktur in der Region unter
effektivem und kostengünstigem Einsatz der erforderlichen Mittel
!!! Die
Problematik "e-Government" wollte auch Schönbohm (CDU) in der
neuen
Legislaturperiode stärker aktivieren (PamS vom 22.08.2004). Allerdings ist über konkrete Ergebnisse auf diesem Sektor,
auch bei der Diskussion des Regiokonzeptes, nichts an die
Öffentlichkeit gelangt !
Berufs-Feuerwehr
immer wieder auf dem Prüfstand
Ähnlich
problematisch
ist die unterschiedliche Positionierung der
drei
Kommunen zu der in Teltow angesiedelten Berufs-Feuerwehr,
die
für die gesamte Region zum Einsatz kommt. Während die
Kleinmachnower
CDU die gemeinsame Finanzierung auf den Prüfstand stellen wollte,
ging
die Teltower CDU sogar soweit, den Bestand der Berufswehr
grundsätzlich
in Frage zu stellen (PNN vom 7.2.2004). Teltower SPD- und Stahnsdorfer
CDU-Bürgermeister jedoch sind sich darüber klar, dass
für
Orte über 30.000 Einwohner eine Berufswehr gesetzlich
vorgeschrieben
ist. Zum Glück sah das die überwiegende Mehrheit der Teltower
Abgeordneten auf der 4. SVV am 18.02.2004 - auch im Hinblick auf das
angestrebte
Mittelzentrum oder eine mögliche Fusion - ebenso, so dass der
entsprechende
CDU-Antrag
schließlich
zurückgezogen wurde. Allerdings sollten die
künftigen Verhandlungen zur bestehenden
Brandschutzvereinbarung
diese Fragen im Sinne einer gemeinsamen Verantwortung endlich
klären
! Näheres hierzu
ist bis heute allerdings
nicht bekannt. Die Diskussion zu
diesem
Thema wurde in Teltow im Zusammenhang mit dem Haushalt 2005 erneut
geführt (siehe
auch dort).
Finanzierung und Sanierung des
Schwimmbades Kleinmachnow endlich regionales Thema
Kein
Thema wurde im Jahre 2004 die
gemeinsame
Finanzierung des Kleinmachnower Schwimmbades.
Während
die CDU für eine sofortige Geldspritze
plädierte, waren sich SPD und B.I.T. darüber einig, dass
über Finanzen
erst
dann geredet werden sollte, wenn die wirtschaftlichen Fakten
offengelegt
sind, damit Teltow nicht wieder wie bei der Berufs-Feuerwehr einseitig
zur Kasse gebeten wird. Deshalb wurde der entsprechende Antrag der CDU
auf der
5. SVV am 10.03.2004 ebenso wie eine Aufrechnung mit den Teltower
Feuerwehr-Leistungen
abgelehnt. Während die FDP sich für die Gründung einer
Sportstätten-GmbH
zur Verwaltung der regionalen Sporteinrichtungen einsetzte, machte sich
die
PDS dafür stark, diese gemeinsamen regionalen Themen endlich in
dem
Gremium ausführlich zu beraten, das dafür vorgesehen ist -
nämlich
in der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft "Der Teltow" (KAT). Für
letzteres
plädiert die B.I.T. ebenso wie auch der Parteifreund des Teltower
Bürgermeisters (BM), der Kleinmachnower SPD-Landtagskandidat
Klocksin. Im
Ergebnis eines
langfristig
angelegten Projektes zur Rettung des Bades sollte nach Meinung der
B.I.T. ein interkommunaler Eigenbetrieb entstehen, der ähnlich
erfolgreich wie z.B. der Teltower KiTa-Eigenbetrieb agieren könnte.
Leider gingen die Sitzungen der
KAT im Jahre 2004 wegen ungenügender Vorbereitung durch die
geschäftsführende Teltower SPD aus wie das "Hornberger
Schießen", d.h. es wurden die brennenden Probleme entweder
überhaupt
nicht auf die Tagesordnung gesetzt oder entsprechend fundierte
Unterlagen existierten bis dahin nicht. Erst
seit
November 2004 ist wieder Bewegung in die Angelegenheit gekommen.
Am 13.03.2004 wurde auch ein Förderverein, u.a. auch
durch
Vertreter der
Partner-Initiative
BiK, gegründet, der die Initiativen zum Erhalt
des Kleinmachnower Freibades bündeln sollte. Der Verein bezweckt
u.a.
laut Satzung
- das
Freibad
Kiebitzberge in Kleinmachnow als Schwimm- und Sportbad in seinen
bisherigen
Dimensionen - insbesondere der Schwimm- und Freiflächen und der
Anzahl
der Wasserbecken - zu erhalten
- die
Gemeinde
Kleinmachnow bei der Sanierung in fachlicher Hinsicht zu
unterstützen
und zu begleiten
- die
Förderung
des Zusammenlebens und der gemeinsamen Freizeitgestaltung von jung und
alt.
Da
mit Kosten von ca. 3 Mio € für die Instandhaltung des 1976
eröffneten
Bades gerechnet wird, ist die Mitglieder- und Sponsorenwerbung z. Zt.
die
wichtigste Aufgabe des Vereins (Kontakt über <anne.vontoerne@t-online.de> ).
Erste erfolgreiche öffentliche Aktivitäten des Vereins fanden
zur
Eröffnung
der
Badesaison am 1. Mai sowie am 21.08.2004 mit der Gestaltung eines
Festes zum Erhalt des Freibades direkt vor Ort
und mit vielen zusätzlichen Sammelaktionen statt. Gemeinsam
mit dem Kleinmachnower
Bürgermeister (BM) und
dem Geschäftsführer der Kleinmachnower
Wohnungsbaugesellschaft übergab der Förderverein am 5.5.2004
im Brandenburger Sportministerium eine Liste mit 7610 Unterschriften
aus der Region, um den Bemühungen für den Erhalt des
Schwimmbades Nachdruck zu verleihen. Der
zuständige Staatssekretär
sagte zu, die Möglichkeiten für eine Unterstützung der
notwendigen Sanierung des Bades zu prüfen, nachdem er die
Örtlichkeiten
persönlich in Augenschein genommen hatte.
Als weitere Variante wurde die
Übernahme des Freibades und des insolventen Sportforums durch
einen
Hamburger Unternehmer im Paket diskutiert.
Während der Kleinmachnower
BM den Vorschlag "nicht verkehrt" fand, stand der
Förderverein diesem Vorhaben skeptisch gegenüber, da bereits
ein
eigenes
Sanierungskonzept vorlag und der kommunale Einfluss wegen sozialer
Aspekte erhalten bleiben sollte. Gegen ein "Spaßbad" sprach sich
schon
im Herbst 2004 die Wählergemeinschaft UBK/WIR rigoros aus. Eine Übernahme der gesamten Freizeitanlage allein
durch die
Kommune Kleinmachnow kam allerdings für Blasig auch nicht in Frage.
Obwohl der Förderverein inzwischen eine Vielzahl interessanter
Sponsoren eingeworben hat, frustierte die Mitglieder des Vereins
die "Nebelpolitik" des Kleinmachnower BM
Blasig und dass dieser trotz Vorliegens von Konzepten das
Gespräch zunächst weder mit dem Förderverein noch mit
den Nachbargemeinden
Teltow
und Stahnsdorf gesucht hat. Für die Einleitung der Planungsphase
bestand nun aber dringender Handlungsbedarf, da sonst wieder kostbare
Zeit
verschwendet würde (MAZ vom 16.11.2004, 27.11.2004). Da
half auch keine Alibi-Spende der Kleinmachnower SPD zur Bad-Sanierung,
da
sie nichts an der zwiespältigen Haltung des Kleinmachnower
BM änderte (MAZ vom 14.12.2004).
Ein erster Erfolg der
Freibad-Befürworter stellte sich jedoch ein, als die
Kleinmachnower Gemeindevertreter mehrheitlich durchsetzten, dass Blasig
bis Ende März 2005 einen "Maßnahmeplan
für die langfristige Sicherung des Betriebs des Freibades"
unter Einbeziehung der Nachbarorte vorlegen musste (MAZ vom
18.12.2004/PNN-Interview vom 24.12.2004). Mit der klaren Positionierung
von Kleinmachnower Bündnisgrünen und SPD zum Erhalt des Bades
wurde der
Druck auf den Kleinmachnower BM
noch befördert - und nach entsprechender Einsicht in die
Notwendigkeit hat dieser nun
endlich die Initiative zur Lösung des
Freibad-Problems übernommen.
Er schlug nämlich seinen Amtskollegen Enser und Schmidt Anfang
Februar
2005 vor, das Bad mit Hilfe einer Gesellschaft zu sanieren, deren
Eigentümer die drei Orte werden sollten. Die Gesellschaft
würde
dann das
Erbbaurecht erhalten, so dass Stahnsdorf und Teltow nicht für die
Pacht
aufkommen müssten, während Kleinmachnow weiterhin
Eigentümer und die
Gewog Betreiber bliebe. Nun konnte auch der Förderverein nicht
mehr
umhin, eine "seltsame Harmonie" mit dem BM zu konstatieren (MAZ
vom 03.02.2005). Ebenso wie der
Förderverein favorisiert der Stahnsdorfer BM Enser eine
Hallenlösung,
die bei Einsatz einer mobilen Traglufthalle sogar preiswerter als die
bisher angedachte Sanierung wäre. Mit dem mehr symbolisch
gemeinten
Vorschlag, durch eine zusätzliche
Fußgängerbrücke über den Teltowkanal einen
weiteren Akzent zum Zusammenwachsen der Gemeinden zu setzen und
außerdem das Sportforum in die Verknüpfung mit
einzubeziehen, ging
Blasig nun sogar in die Offensive (MAZ vom 09.02.2005). Allerdings
komme eine zusätzliche Übernahme des Sportforums durch die
Kommunen nicht in
Betracht, eher wäre der Brückenbau, der anlässlich des
100jährigen
Bestehens des Teltow-Kanals passend wäre, zu favorisieren. Auch
der Wiederaufbau
der Teltow-Werft-Brücke wird in den AGENDA-Planungen von
Teltow und Kleinmachnow wieder ernsthaft diskutiert und z.B. vom
Landtags-Abgeordneten Klocksin unterstützt (PNN vom 21.04.2005).
Im Ergebnis des Dienstgespräches am
14.02.2005
erzielten die BM der Region nun darüber Einigkeit, dass schon 2006
als gangbare
Lösung eine kommunale Gesellschaft gegründet werden
könnte.
Natürlich bedarf es dafür des politischen Willens der
jeweiligen
Bürgervertretungen, nachdem endgültig geklärt ist, ob
Freibad oder
multifunktionales Hallenbad gewollt ist. Das Überdenken dieser
Fragen
muss als Ziel die Erarbeitung einer genehmigungsfähigen Variante
haben,
die wegen der Planungssicherheit bereits im März 2005 auf dem
Tisch
liegen müsste, um im Jahr 2006 zu greifen. Auch in Teltow
müssen das
Risiko abgewogen und die politische Willensbildung durch
ausführliche
Informationen gut vorbereitet werden, da die Stadt ebenfalls bereits
große Projekte (Kuppelmayr´sche Siedlung,
Spangensystem) zu
schultern hat (MAZ vom 15.02.2005). Im Stadtblatt 03/2005 schlug der
Teltower BM vor, diese Problematik vor den Fach-Ausschüssen im
Ältestenrat zu diskutieren.
In der Folge einigte man sich auf
die Gründung einer GmbH, deren Hauptgesellschafter die drei Orte
sein sollen und die zum 1.1.2006 die Arbeit aufnehmen könnte. An
dieser Gesellschaft sollen auch der Förderverein und die Gewog mit
je 2,5 % Anteilen beteiligt werden. Der Aufsichtsrat, in dem Kleinmachnow keine
Mehrheit hätte, bestünde aus drei Vertretern Kleinmachnows,
je zwei Vertretern aus Teltow und Stahnsdorf sowie je einem Vertreter
von Gewog und Förderverein. Damit wäre die
Lösung für das Freibad greifbar nahe (MAZ vom 18.04.2005). -
Und nun sind die BM von Teltow und Stahnsdorf am Zuge, um zu beweisen,
wie ernst es ihnen mit den regionalen Gemeinsamkeiten ist ! Eine erste Vorlage
hierzu sollte in den Teltower Ausschüssen Ende Mai/Anfang Juni
beraten werden.
Würde insgesamt Konsens gefunden, könnte die Sanierung ab
2007 beginnen. Ein offenes Problem, an dem sich bereits neuer Streit
entzündet hat, ist die Betriebsart des Bades. Während
Stahnsdorf und auch der Förderverein ein (teil-)überdachtes
Bad anstreben, befürworten die Kleinmachnower mehr den
Freibadcharakter. Zur Eröffnung
der Badesaison an einem strahlenden 1. Mai 2005 konnte der neu
gestaltete Beckenrand eingeweiht werden, der zu einem Viertel durch
eingenommene Spenden des Fördervereins bzw. durch Sponsoring des
Restbetrages durch die Sanierungsfirmen erneuert wurde. Aktuell
lehnen z.B. die Kleinmachnower Grünen die Idee zur Schaffung eines
multifunktionalen Hallenbades ab (MAZ vom 11.05.2005), um
Fehlinvestitionen zu vermeiden und den Freibadcharakter zu erhalten.
Außerdem entstehen zur Zeit Planungen für Hallenbäder
in Potsdam und Zehlendorf. Deshalb fordern die Grünen von den
Gemeinden umgehend konkrete Antworten zur künftigen Finanzierung
und Ausstattung des Bades. -
Für die Stahnsdorfer ist der
bisherige Betreiberentwurf noch nicht
konsensreif. In
den kommunalen
Haushalten müssten die freiwilligen Leistungen zum Betrieb des
Bades genau abgewogen werden, denn es gibt noch genügend eigene
Probleme, die ebenfalls berücksichtigt werden müssen (MAZ vom
13.05.2005). Trotzdem ist auch in Stahnsdorf die optimistische
Grundhaltung unüberhörbar. -
In Teltow wurde bisher keine
offizielle Stellungnahme zu dem vorgeschlagenen Konzept abgegeben,
jedoch ist nach Vorliegen des Entwurfes zum künftigen
Gesellschafter-Vertrag mit einem weiteren Problem zu rechnen, denn
Kleinmachnow würde sich die Gesellschaftermajorität dadurch
sichern, dass der Ort zu mehr als 50 % im Aufsichtsrat durch das
Hinzunehmen des Fördervereins und der Gewog vertreten wäre.
Hier gibt es sicher noch Klärungsbedarf.
Die
überregional wirksame Arbeit des Fördervereins, bei dessen
Gründung
Mitglieder der B.I.T. anwesend waren, werden wir ebenso interessiert
weiter beobachten wie
die weitere Entwicklung bei der politischen Willensbildung der
jeweiligen Bürgervertretungen. Der Gordische Knoten scheint sich
nun erfreulicherweise langsam zu entwirren !
Neue
Perspektiven durch neue Förderpolitik ?
Eine
jähe Wendung in der Fragestellung "Teltower Region =
Mittelzentrum"
leitete nun die seit Anfang März 2005 durch den
Ministerpräsidenten
geführte Debatte zu grundsätzlichen Veränderungen
in der Brandenburger Förderpolitik
ein, die ab 1.1.2007 wirksam werden sollen (MAZ vom 03.03.2005). Danach
wird die Anzahl der "zentralen Orte" drastisch von 152 auf 63 gesenkt.
Und insbesondere der engere Verflechtungsraum ("Speckgürtel") um
die
Metropole Berlin, der durch einen
kontinuierlichen Zuzug von Einwohnern geprägt ist, soll
stärker gefördert werden. In diesem
Zusammenhang war zunächst vorgesehen, die Stadt
Teltow
von einem Grundzentrum zu einem "Zentrum im
engeren Verflechtungsraum"
(Ort und Einzugsbereich umfasst mindestens 50.000 Einwohner)
aufzuwerten, was etwa einem heutigen Mittelzentrum entspricht.
Damit würden die vergangenen Aktivitäten der Region zumindest
teilweise gewürdigt. Gleichzeitig mit diesen zentralen Orten
wurden durch das
Wirtschaftsministerium 23 sogenannte
"Wachstumskerne" definiert, für die
besonderer wirtschaftlicher Aufschwung durch besondere Förderung
erwartet wird. Zu diesen Orten, zu denen z.B. Neuruppin, Hennigsdorf
und Schönefeld zählen, gehört die Teltower Region
allerdings nicht.
Deshalb begann bereits die Diskussion darüber, denn wie der
SPD-Landtagsabgeordnete Klocksin (SPD) verstehen viele Lokalpolitiker
nicht, "warum die Region Teltow nicht als Wachstumskern eingestuft
wird" (PNN vom 04.03.2005). Und die Nachbarorte hoffen
nun, "dass
die Orte Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf als Region begriffen
werden und die Förderung nicht an den Stadtgrenzen Teltows endet." Die
bisherige Lesart, die drei Orte gemeinsam als Mittelzentrum
einzustufen, war damit zunächst vom Tisch, und die Zukunft sollte
nun zeigen, dass der regionale Gedanke hinter den Egoismen
zurücksteht, so
wie es die drei Oberhäupter der Kommunen bisher immer verbal zum
Ausdruck
brachten.
Insofern waren wir gespannt auf erste Reaktionen in der KAT-Sitzung am
09.03.2005, denn das Thema wird die Parlamentarier von
nun an ständig begleiten. Erste Nagelprobe dürften nun erst
recht die
möglichen gemeinsamen Projekte wie z.B. das Kleinmachnower
Schwimmbad
oder Regio-Bus werden - und die Fusions-Diskussion wird an
Schärfe zunehmen.
Auf der KAT-Sitzung wechselte zunächst einmal die Geschäftsführung nach Stahnsdorf
(Stellvertretung durch Kleinmachnow). Man darf auf frischen Wind
hoffen, denn die vergangene Teltower Geschäftsführung hatte
leider
keine glückliche Hand beim Verleihen von Impulsen in Richtung
"Gemeinsamkeiten in der Region" (siehe oben).
Wie zu erwarten, sorgte die "neue Förderpolitik" für
ausreichenden
Gesprächsstoff. Vor allem der Fakt, dass die Landesregierung die
Teltower Region
nicht als kommunale und wirtschaftliche Einheit begreifen wollte,
bereitete den
führenden Kommunalpolitikern arge Kopfschmerzen. Es wurde deshalb per
Beschluss darüber Einigkeit erzielt, dringende Korrekturen an den
Planungs-Entwürfen zu fordern - sowohl bei der Landesplanung als
auch
bei der Wirtschaftsförderung ! Man
erwartete, "dass
die Region Teltow/Kleinmachnow/Stahnsdorf als Siedlungsschwerpunkt mit
derzeit 53.000 Einwohnern als gemeinsames Zentrum im engeren
Verflechtungsraum kategorisiert" und "mit etwa 2400 Betrieben
und über 18.400 ... Beschäftigten
insbesondere in der Technologie-, Kommunikations- und
Dienstleistungsbranche bei der Festlegung der Branchen-Schwerpunkte und
regionalen Wachstumskerne des Landes als wirtschaftlicher Wachstumskern
festgeschrieben wird" (MAZ vom 11.03.2005).
Mit einem gemeinsamen Schreiben an die Landesregierung Mitte April 2005
wurde diese
Forderung untermauert (MAZ vom 07.04.2005/Teltower Stadtblatt, Heft
05/2005, S. 13). Allerdings mussten
die Kommunalpolitiker
auch selbstkritisch eingestehen, dass der Wille zur Zusammenarbeit
praktisch bisher kaum umgesetzt wurde. Der nach außen
gezeigten
Einigkeit müssten nun unbedingt auch Taten vor allem
bezüglich
der
zügigen Umsetzung des dringend zu überarbeitenden
Regiokonzeptes
folgen, um die Glaubwürdigkeit der Region unter Beweis zu stellen.
Die SPD-Ortsvereine unterstrichen die Forderungen der
Region an die Landespolitik in einer Stellungnahme sowohl an den
Minister für Infrastruktur (SPD) als auch an den
Wirtschaftsminister
(CDU). Sie betonten, dass Teltow/Keinmachnow/Stahnsdorf in erster
Linie eine Region
und erst in zweiter Instanz drei Kommunen sind (MAZ vom 18.03.2005). In
diesem Zusammenhang forderten sie auch den Landkreis auf, die Region
bei der Dezentralisierung von Behördenstandorten stärker zu
beachten.
Auch CDU-Politiker machten sich für Veränderungen stark.
So bezeichnete der Stahnsdorfer Bürgermeister Enser "das Vorgehen
bei der Reform des Zentrale-Orte-Systems als reine Stümperei". Auch
habe der Landrat des Kreises PM nicht genügend Druck auf die
Landesregierung ausgeübt, dass die Region Teltow, in der ein
Viertel der Einwohner PMs leben, als potenzielles Kraftzentrum
begriffen wird. Auch Innenminister Schönbohm unterstützte
öffentlich die
Bemühungen, die drei Nachbarorte als gemeinsames Zentrum im
engeren Verflechtungsraum auszuweisen (MAZ vom 07. und
08.04.2005).
Auf dem 2. Teltower Technologietag, der in diesem Jahr durch die
Vorstellung innovativer Medizintechnik geprägt war, drehten sich
die Gespräche ebenfalls um die "Wachstumskerne", zu denen die
Landesregierung die Teltower Region trotzdem nicht zählt, obwohl
dem Standort gute Chancen eingeräumt werden, die Nummer 1 auf
diesem Gebiet zu werden. Auch der
Unternehmerverband Brandenburg unterstützte deshalb die Einbeziehung
der Region in die ausgewiesenen "Wachstumskerne" (MAZ vom
09.04.2005).
Inzwischen ist die Landesregierung
mit ihrem Schnellschuss zurückgerudert, d.h. man strebt die
Einführung des neuen Sytems nun erst ab 2008 an, was
erwartungsgemäß von allen Seiten heftige Kritik
auslöste (MAZ vom 28.04.2005). Viele sprechen nun bereits von
einem Scheitern des Vorhabens, und es macht sich die Befürchtung
breit, dass alles noch einmal neu überlegt werden muss.
Während
der zuständige Minister von Planmäßigkeit spricht,
können wir der Meinung, dass der bisherige Verlauf der "Aktion
Landesplanung" chaotisch ist, nur zustimmen !! Es muss unbedingt
Klarheit für die Kommunen zum weiteren Ablauf in dieser
Problematik geschaffen werden !!
"Die neuesten Pläne der
Landesregierung sehen nun vor, im Berliner Umland eine höhere
Wirtschaftsförderung zu ermöglichen als in Berlin selbst."
(MAZ vom 28.05.2005). Die
Fördermittel sollen nun nicht mehr auf die 23 sogenannten
"Wachstumskerne" sondern auf 16 Branchen in 67 Standorten konzentriert
werden. Als
ein künftiger "Branchenschwerpunktort" wird jetzt die gesamte Region Teltow mit ihren Kompetenzen
Life Science, Mechatronik, Kommunikation und Optik gesehen ! Das aus dem "Teltower Wirtschaftsforum"
in "Regionales Wirtschaftsforum" umdefinierte Gremium
begrüßte diese Entwicklung ausdrücklich - und Bürgermeister Enser sieht nun reale
Chancen, dass die gesamte Region zum "gemeinsamen Zentrum im engeren
Verflechtungsraum" befördert wird ! Der Berliner
Wirtschaft und den Brandenburger Randregionen gefällt diese
Entwicklung naturgemäß nicht ! -
Und der schon in der vergangenen Legislaturperiode nicht gerade
glücklich
agierende Landrat PM, Koch (s. GZG-Affäre),
schlug dem Fass den Boden aus, indem er auf der 5. Brandenburger
Standortkonferenz mit den Worten: "wenn ich hier
Bürgermeister wäre, dann hätte ich die Fusion
längst herbeigeführt", die etwas beruhigte
Diskussion zur Fusion der drei Orte unnötig anheizte. Als Begründung für seine
unbedachten Worte führte er an, dass es rechtlich keine offene
Tür dafür gäbe, ein gemeinsames Mittelzentrum für
die drei Orte zu schaffen (MAZ vom 11.06.2005). Prompt kam eine
heftige Gegenreaktion des Kleinmachnower "Chefs" zurück, indem er
die Worte Kochs als "überflüssig" zurückwies und
stattdessen Kreativität bei der Berücksichtigung dieses
Brandenburger Sonderfalls durch die Landesregierung anmahnte. "Als Fernziel sei
der Zusammenschluss ... unbestritten" (MAZ vom 16.06.2005). In
ähnlicher Weise äußerten sich auch die SPD-Ortsvereine
der Region (MAZ vom 17.06.2005) - und mit erheblicher Verspätung
reagierte nun auch der Teltower Bürgermeister Schmidt mit den
Worten: "Bringen
Sie (= gemeint ist Koch) Ihre Aktionen und
Bemühungen bitte dort ein, wo es Ihren Kommunen am meisten
nützt - bei der Haushaltskonsolidierung des Landkreises ..."
(MAZ vom 24.06.2005).
Das ganze Geschehen bleibt also weiterhin spannend.
Als B.I.T.
müssen wir uns zu dieser Situation ebenfalls erst einen eigenen
Standpunkt erarbeiten - auf
jeden Fall ist aber dringend anzumahnen, dass in der Region der Wille
zu gemeinsamen Projekt-Anstrengungen schnellstmöglich durch Taten
dokumentiert wird, sonst bleiben die Forderungen nach Anerkennung durch
das Land nur leere Worthülsen !!
Erste zaghafte Versuche in dieser Richtung sollen u.a. durch die
gemeinsame Erarbeitung eines
Bildungsreportes für die Region gemacht werden, wie auf der
gemeinsamen Bildungskonferenz "Region macht Schule" Ende Mai 2005
beschlossen wurde (MAZ vom 01.06.2005).
Auf der letzten KAT-Sitzung am 08.06.2005 wurde außerdem
beschlossen, sich dafür einzusetzen, dass ähnlich dem
Beelitzer Pilotprojekt auch in unserem regionalen Ballungsraum eine gemeinsame Stelle für
KfZ-Zulassungen eingerichtet wird, um die
Bürgerfreundlichkeit von Kreisbehörden zu verbessern (PNN vom
10.06.2005/MAZ vom 13.06.2005).
Jüngstes
Problem, für das es in der Region dringenden Klärungsbedarf
gibt, ist der Erhalt des mit viel Mühe auf den Weg gebrachten Teltower CityBus, der
möglicherweise vor dem Aus steht, wenn nicht für die gesamte
Region ein entsprechendes Bus-Modell entwickelt wird (MAZ vom 24.06.2005).
- Also, genügend
gemeinsame Aufgaben in der Region gibt es !!!
Steueroase
allein in Teltow ?
Neuestes
Kind der Teltower CDU und FDP, das nach Vorschlag des
Finanz-Ausschusses nun auch in der Sitzung des Haupt-Ausschusses am
11.04.2005 diskutiert wurde, ist die rapide Senkung des
Gewerbesteuerhebesatzes von derzeit 320 % auf 190 % für
Firmen, die sich neu ansiedeln, zunächst für eine Frist von
fünf Jahren (MAZ vom 13.04.2005). Das ganze ist allerdings so gar
nicht machbar, da der gesetzlich vorgeschriebene Mindestsatz bei 200 %
liegt, außerdem ist eine Ungleichbehandlung der Gewerbetreibenden
insgesamt ebenfalls unzulässig. Die Stadtverwaltung lehnt deshalb
diesen
vielleicht
gut gemeinten Vorschlag, der Gewerbeansiedlung nach Teltow bringen
soll, ab. Auch die PDS und SPD plädierten dafür, diese Frage
zunächst in den Fraktionen zu besprechen, da die
Gewerbeflächen im Stadtgebiet langsam knapp werden. Ein Problem,
das auch die B.I.T. sieht, besteht in einem erneuten Alleingang der
Kommune, der nicht gerade zur Vertrauensbildung zwischen den
Nachbarkommunen im Rahmen der derzeitigen Diskussionen um gemeinsame
Anstrengungen in der Region beiträgt. Hier sollte gemeinsames Vorgehen
im Rahmen der KAT Vorrang
haben, was jedoch durch CDU und FDP als "wettbewerbshemmend"
abqualifiziert wurde.
Und prompt
reagierten auch hier die Nachbarn, wenn auch sehr
unterschiedlich (MAZ vom
14.04.2005). Während der Stahnsdorfer Bürgermeister Enser
(CDU) diesen Teltower Vorstoß skeptisch betrachtet, da vom
Hebesatz auch die Schlüsselzuweisungen abhängen, bezeichnet
die Kleinmachnower FDP den Vorschlag als Schritt "in die richtige
Richtung". Wenn man Wachstumskern werden wolle, müssten aber
verlässliche Prognosen zum gemeinsamen Steueraufkommen ermittelt
werden, falls die Hebesätze erniedrigt würden. Mit rechtlich
unsicheren Experimenten wie z.B. der gänzlich abzuschaffenden
Gewerbesteuer werden sich allerdings auch willige Investoren nur
zurückhaltend anfreunden, denn für eine
Unternehmensansiedlung ist Rechtssicherheit eine unbedingte
Voraussetzung.
Inzwischen
zeigt jedoch das abschreckende Beispiel der Kommune Ludwigsfelde, das
bisher immer als Muster für prosperierende ostdeutsche
Wirtschaftskraft herhalten musste, dass der Pleitegeier über der
Stadt kreist - die gute Idee wurde nämlich zum Fluch, weil keine
Schlüsselzuweisungen mehr vom Land fließen.
Deshalb klafft nun ein Haushaltsloch von 5 Mio €, was kaum
noch ohne Hilfe zu stopfen ist (MAZ vom 18.06.2005).
FAZIT: Also - VORSICHT ist geboten !
Der Schnellschuss
der Teltower "Wirtschaftsexperten" von der CDU und FDP sollte
gründlich mit allen Kommunen beraten werden, um eine
optimale Steuerpolitik zur Ansiedlung von neuem Gewerbe zu
schaffen.
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